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Ein offener Brief
an die Wirtschaftswissenschaft:
Nicht
die unvorhersehbaren Umstände haben den Konjunkturpropheten den Blick auf
die Finanzkrise und ihre Dynamik verstellt, vielmehr waren es ihre
unzureichenden theoretischen und methodischen Ansätze: Der
Makroökonomie fehlt die empirische Mikrofundierung. Sie behilft sich
mit der Annahme rationalen Verhaltens. Die Ökonometrie
stützt sich auf Daten aus der Vergangenheit und steht daher mit dem
Rücken zur Zukunft. Wichtige Aspekte der Psychologie, Soziologie und
der Politikforschung haben bisher keinen Eingang in den ökonomischen Mainstream gefunden. Die Ökonomie hat sich mit der
ökonomischen Rationalität eine Phantomwelt geschaffen, mit der
die Realität von Wirtschaft und Gesellschaft weder erkannt noch
prognostiziert werden kann.
Die
Wirtschaftswissenschaft muss ihre Denkansätze für andere
Disziplinen öffnen, sie muss die Heterogenität von Zielsetzungen
und Verhaltensweisen akzeptieren, und sie muss Mikro- und
Markoökonomie mit empirisch fundierten, dynamischen
Gleichgewichtsmodellen verknüpfen. Zugegeben ein großes
Programm!
Die
Konjunkturpropheten müssen einen Schritt zurück treten und
bekennen, dass sie nichts über die Zukunft wissen. Alternative
Szenarien über Zukunftstrends sind viel eher geeignet, die Zukunft zu
beschreiben. Vor allem zeigen sie die Optionen für Politik und
Wirtschaft sehr viel besser als eindimensionale Prognosen.
Es gilt
den Zug der Lemminge aufzulösen, der den Propheten folgt. Dies wird
nur gehen, wenn die Lemminge die Sache selbst in Hand nehmen und sich ihr
eigenes Zukunftsbild schaffen.
Langfassung
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