Newsletter 12/2008                         English Version

Dezember 2008

 

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit und

wünschen Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2009.

 

Inhalt:

Szenarien für die Qualifikationsentwicklung bis 2020

Die Krise der Wirtschaftsprognose

Das Nationale Reformprogramm Deutschlands

Exit Age: Analyse eines Indikators für die Europäische Beschäftigungsstrategie

Stellenangebot

 

Für uns stand das zurück liegende Jahr im Zeichen der Zukunftsforschung:

 

Szenarien für die Qualifikationsentwicklung bis 2020

Für die Europäische Kommission entwickeln wir langfristige Szenarien zum Qualifikationsbedarf in zwei ausgewählten Branchen, der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie und dem Finanzsektor in den 27 EU-Ländern. Beides sind Branchen mit einer hohen internationalen Verflechtung, die nun durch die aktuelle Finanzkrise vor großen Umwälzungen steht. Der Strukturwandel wird beide Branchen hart treffen und Nachhaltigkeit in der Geschäftspolitik zur Überlebensstrategie machen. Nur wenn sich die Branchen von Innen reformieren, werden sie sich wieder erholen. Die Zeit kurzfristiger Gewinnorientierung scheint vorüber.

Zu lesen gibt’s dies erst im nächsten Jahr. Es wird März bis Mai werden, bis die Berichte veröffentlicht werden können. Wir melden uns wieder!

 

Die Krise der Wirtschaftsprognose

Die weltweite Wirtschaftskrise ist auch eine Krise der Prognostiker. Wie schön früher – bei der ersten Ölkrise oder dem Zusammenbruch des Ostblocks – blieben die Hellseher der Wirtschaftsforschung blind! Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung hat nicht einmal die Wachstumsrate des Jahres 2008 richtig prognostizieren können – geschweige denn die Auswirkungen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise.

Das allerdings ist nicht Schwachsinn, das hat Methode: Die ökonometrischen Modelle bilden die Vergangenheit ab, die bekanntlich nicht die Zukunft ist. Die makro-ökonomischen Indikatoren sagen nichts über Ungleichgewichte auf den Märkten oder den Strukturwandel in den Unternehmen. Die Ökonomie sagt nichts über politische Umbrüche und soziale Verwerfungen. Vor allem aber: Wir wissen nichts über zu Zukunft! Wir können nur Vermutungen anstellen, Spekulationen entwickeln und sich widersprechende Alternativen. Das Vortäuschen (oder die Anmaßung) von Gewissheit durch die Prognostiker muss ein Ende haben.

Dies verlangt nach anderen Ansätzen: Vorausschätzungen nicht als Punktschätzung, sondern in Szenarien, ökonometrische Modelle mit Simulationscharakter, eine konsequente Risikoanalyse durch Politologen und Soziologen. Gesichtsfelderweiterung aber auch in Richtung Mikroökonomie: Eine genaue Analyse von Einzelmärkten und die Beobachtung der Restrukturierung in Unternehmen. Eine neue Wirtschaftsprognose mit einem Wort.

Wir werden uns dazu in einem offenen Brief an die Wirtschaftsforschung wenden.

 

Das Nationale Reformprogramm Deutschlands

Nun aber auch noch was zum Nachlesen über etwas das kaum jemand liest – das Nationale Reformprogramm Deutschlands, das jedes Jahr an die EU-Kommission und den Ministerrat geliefert wird. Wir haben zum Programm 2008 im Auftrag der EU-Kommission Stellung genommen:

·            Deutschland braucht eine Debatte über Chancengleichheit, die weit über die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben hinausgeht. Das Land ist auf dem Weg in eine Klassengesellschaft, in der gesellschaftliche Zugehörigkeit nicht nur über den Schulerfolg entscheidet, sondern auch über berufliche Karriere, Einkommen und Wohlstand. Die Wirtschaft aber kann sich eine sub-optimale Auswahl von Leistungsträgern weder im Bankensektor noch anderswo leisten.

·            Deutschland braucht eine grundlegende Reform seines Bildungs- und Ausbil­dungs­systems: Ein Berufsbildungssystem, das sehr viel mehr auf Ausbildung in Fachschulen und Fachgymnasien setzt als auf duale Ausbildung. Ein Weiterbildungssystem, das langjährig tätige Arbeitnehmer durch modulares Training wieder zu Wettbewerbern auf den Arbeitsmärkten macht. Vor allem aber müssen die Länder endlich Geld in die Hand nehmen, um die Bildungskapazitäten zu vergrößern und die Qualität der Bildung zu verbessern. Dafür sollte das Konjunkturprogramm verwendet werden – statt für Autobahnen und neue Rathäuser.

·            Angesichts der komplizierten Entscheidungsverläufe in der deutschen Bildungspolitik wird – in Anlehnung an die Europäische Beschäftigungsstrategie – ein offener Koordinierungsprozess vorgeschlagen, der nicht nur Entscheidungen abstimmt, sondern auch Ergebnisse überprüft.

Im Einzelnen nachzulesen unter (in Englisch):

Pre-Assessment of the National Reform Program 2008/10 – Germany

Post-Assessment of the National Reform Program 2008/10 – Germany

 

Exit Age: Analyse eines Indikators für die Europäische Beschäftigungsstrategie

Das Austrittsalter aus dem Arbeitsmarkt wurde bisher durch den sog. dynamischen Exit Age Indikator gemessen – eine statistische Kenngröße, die auf der Differenz von Aktivitätsraten einzelner Alterjahrgänge beruht. Dies allerdings überfordert die Messgenauigkeit der Arbeitsmarkterhebungen in der EU. Zu groß sind die Messfehler aus zwei unabhängigen Stichproben der Bevölkerung in den EU-Mitgliedsstaaten – und nicht nur in den kleinen Ländern. Die Analyse empfiehlt daher die Verwendung eines neuen Ansatzes, der auf Überlebensfunktionen beruht und sehr viel bessere Eigenschaften besitzt als der bisherige Indikator.

Im Einzelnen (in Englisch):

Analysis of the average exit age from the labour force – final report

 

Stellenangebot

Die Erhebung und Hochrechnung des Stellenangebots, die wir im Auftrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) durchführen, wird laufend weiter entwickelt. Mittlerweile ist die Erhebung im Begriff zu einer europäischen Erhebung zu werden. Dazu fand im Dezember ein Workshop in Nürnberg statt, den das IAB zusammen mit EUROSTAT veranstaltet hat. In Deutschland wird gegenwärtig die Einführung einer monatlichen Stellenangebotsstatistik getestet. Darüber hinaus steht die Verbesserung der Hochrechnung durch Imputationsverfahren im Vordergrund.

 

Das Stellenangebot hat sich als Frühindikator der Arbeitsmarktentwicklung erwiesen. Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse vom Herbst 2007:

 

 

 

 

Wenn Sie noch Fragen haben oder mit uns diskutieren wollen, bitte wenden Sie sich an

office@economix.org

Wir antworten gerne.

 

 

 

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