Szenarien für den europäischen Finanzsektor
Strategien für die
Personalentwicklung nach der Krise
Die Europäische Kommission hat
Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Danielle Kaisergruber Research & Consulting (Paris) und einem Team europäischer Experten erarbeitet. Sie ist Teil einer groß angelegten Untersuchung des zukünftigen Qualifikationsbedarfs in der Europäischen Union, die von der Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit initiiert wurde.
Der Bericht ist in englischer Sprache auf der Web-Seite von
Ausgangslage
Das Scheitern der Kapitalmarktliberalisierung wird in diesen Tagen großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten offensichtlich. Die Märkte waren nicht in der Lage, sich selbst zu korrigieren – außer durch eine schwere Krise – und dies ist der Punkt an dem wir heute angelangt sind. Der Finanzsektor selbst war außer Stande ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen und die Risiken des Marktes korrekt einzuschätzen. Dies lag in erster Linie in der Verantwortung von Management und staatlicher Regulierung.
Es hing aber auch von den Qualifikationen und Kompetenzen der Belegschaften ab, die ein tiefes Verständnis der Finanzmärkte und ihrer Risiken benötigen. Dies ist der Punkt an diem die künftige Aus- und Weiterbildungspolitik ansetzen muss. Auch wenn die Qualifikation der Beschäftigten im Finanzsektor weit über den Standards anderer Wirtschaftszweige liegt, hat dies die Branche nicht davor bewahrt, die aktuelle weltweite Wirtschaftskrise auszulösen, die im Begriff ist, sich zur tiefsten Depression seit Jahrzehnten zu entwickeln.
Szenarien bis 2020
Die Szenarien für den europäischen Finanzsektor nehmen die strategischen Antworten auf die Herausforderungen der Finanzkrise zum Ausgangspunkt. Drei Alternativen wurden entwickelt:
· Szenario 1 – mit dem Titel „Nachhaltiges Finanzwesen“ – nimmt an, dass der Sektor ein völlig neues Geschäftsmodell entwickeln wird, das auf langfristigen Investitionsentscheidungen, Konsumentenvertrauen und hochwertigen Beratungsdienstleistungen beruht. Dies löst einen Kulturschock in der Branche aus, da es die Abkehr von den Gewinnzielen, Standardprodukten und Kontrollmechanismen der Vergangenheit zu Gunsten einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung bedeutet.
· Szenario 2 – mit dem Titel „Laissez-faire“ – zieht weniger radikale Schlussfolgerungen aus der Krise und nimmt an, dass sich die kurzfristige Gewinnorientierung der Vergangenheit fortsetzen wird. Die öffentliche Kontrolle wird – auch wegen der Schwierigkeiten auf internationaler Ebene – schwach bleiben. Die Standardisierung der Finanzprodukte wird vorangetrieben. Unternehmenszusammenschlüsse werden zunehmen. Die Instabilität der Finanzmärkte wird aber nicht beseitigt.
· Szenario 3 – mit dem Titel „Staatseigentum“ – geht davon aus, dass weder die Regierungen noch die großen Unternehmen der Finanzbranche in der Lage sein werden, die Finanzkrise unter Kontrolle zu halten. Die finanziellen und wirtschaftlichen Turbulenzen werden sich zu einer zerstörerischen Welle aufbauen und für lange Zeit einen signifikanten Rückgang der Geschäftstätigkeit bewirken. Dies wird die Finanzdienste in eine administrative Rolle zwingen.
Konsequenzen für die Personalentwicklung
Alle Szenarien werden – zumindest auf die kürzere Frist – erhebliche Beschäftigungsverluste in den Finanzdiensten der Europäischen Union nach sich ziehen. Die spätere Erholung hängt von der Wahl der strategischen Antwort ab. Im Szenario „Nachhaltiges Finanzwesen“ steigt die Beschäftigung kontinuierlich mit dem Ausbau der Beratungs- und Serviceleistungen. Im „Laissez-faire“-Szenario wird insbesondere die Investment-Branche zu einem Auf und Ab in der Beschäftigung führen. Im staatlich geführten Finanzwesen bleibt die Beschäftigung hingegen für lange Zeit auf einem niedrigen Niveau.
Die Szenarien erwarten gemeinsam einen weiter steigenden Qualifikationsbedarf, der allerdings in sehr unterschiedliche Richtungen geht:
· Szenario 1 geht von einem neuen Typ von Banker aus, der langfristig statt kurzfristig agiert, der das Vertrauen der Kunden als seine Basis betrachtet und daher eine nachhaltige Geschäftsentwicklung anstrebt. Dies setzt eine grundsätzliche Neuorientierung der Personalentwicklung voraus.
· In Szenario 2 setzen sich die Tendenzen der Vergangenheit fort, indem kurzfristige Renditeziele, Flexibilität und Marktorientierung die Leitlinien der Personalentwicklung vorgeben. Die Backoffice-Funktionen verschwinden weitgehend in hoch standardisierten Serviceeinrichtungen.
· In Szenario 3 ist die Personalpolitik sicherheits- und kostenorientiert. Sie verlangt weniger nach Marktorientierung als nach guter Verwaltungspraxis.
Empfehlungen
Da die Entstehung der Finanzkrise stark mit der Kompetenzbasis zusammenhängt, empfiehlt die Studie der Beschäftigungspolitik, Ausbildung und Innovationen in den Fokus zu rücken. Aus der umfassenden Liste von Empfehlungen ergeben sich zwei Prioritäten:
· Die Ausbildung sollte die Funktionsweise von Kapitalmärkten in den Vordergrund rücken, die nachhaltige Kundenbetreuung, das Controlling und die Risikoeinschätzung. Die Regierungen sollten die Initiative ergreifen, solche Schwerpunkte für die Ausbildung im Finanzwesen zu setzen.
· Da die Instrumente der Risikoanalyse im Hinblick auf die langfristigen Risiken versagt haben, sollten F&E-Programme zur Verbesserung der Risikoabschätzung aufgelegt werden. Das Controlling sollte zu einem strategischen Instrument weiterentwickelt werden.
Das Humankapital ist der Schlüssel zur Umstrukturierung des Sektors, und öffentliche Institutionen können den Druck auf den Finanzsektor erhöhen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Bildung und Ausbildung sind ein Mittel, um auf diesem Weg Fortschritte zu erzielen.
ist ein privates Forschungsinstitut in München, das auf
Fragen der Beschäftigungs- und Bildungspolitik spezialisiert ist. Im Auftrag
der Europäischen Kommission, der Bundes- und Landesministerien sowie anderer
öffentlicher Auftraggeber werden Expertisen erstellt und politische
Empfehlungen erarbeitet. Das Institut ist ein europäisches Forschungsnetzwerk
eingebunden.
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Kontakt
Tel: +49-89-8757-9022
E-Mail: vogler-ludwig@economix.org
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Scenarios for financial services in
the European Union
Study on human resource strategies for the post-crisis decade
The
European Commission assigned
The study
was undertaken in cooperation with Danielle Kaisergruber
Research & Consulting (Paris) and a team of European experts. It is part of
a comprehensive analysis of future skill needs in the European Union launched
by the Directorate General for Employment, Social Affairs and Equal
Opportunities.
The report
is available in English on the
Current state
The failure
of capital market liberalisation is starting to become apparent in these days
of great trouble. Markets were unable to correct themselves without a severe
crisis – and this is the point we are at now. The financial sector was unable to
establish a sustainable business model and assess the risks correctly. This is
the responsibility of management and public regulation.
However, it
also depends on the skills and competences of the workforce which needs a sound
understanding the financial markets and its risks. This is the starting point
of future training policies. Even if the financial services make up a
high-skill sector well above the standards of other industries, this did not
prevent the business from triggering the current world financial crisis – which
seems to be heading towards the worst economic depression for decades.
Scenarios until 2020
The
scenarios for the European financial services sector take the strategic
responses to the challenges of the financial crisis as their starting point.
Three alternatives have been developed:
·
Scenario
1 – called “sustainable
finance” – assumes that the sector will develop a completely new
business model, based on long-term investment strategies, consumer trust and
high-quality consulting services. This exerts a cultural shock to the business,
as it means the reversal of profit targets, standardisation, and controlling
instruments in favour of sustainability.
·
Scenario
2 – called “laissez-faire”
– draws less radical conclusions from the crisis, assuming the continuation of
short-term profit orientation from the past. Public control will remain weak,
also due to impediments at the international level. Standardisation of
financial products will be fostered. Mergers & acquisitions will revive.
The instability of financial markets will not be removed.
·
Scenario
3 – called “state
ownership” – assumes that neither government nor the big players in
the financial business will be able to keep control of the current crisis.
Financial and economic turmoil will accumulate into a wave of destructive
power. This will result in a significant reduction of economic activities for a
long period, and force the financial services into an administrative role.
Conclusions for human resource
development
All
scenarios are expected to cause strong employment losses in the financial
sector of the European Union – at least in the near future. Later recovery
depends on the strategic choices made. In the “sustainable finance” scenario
the number of jobs will increase due to the extension of consulting and
business services. In the “laissez-faire” scenario the investment branch in
particular will cause ups and downs of employment. In a publicly regulated
financial sector finally employment will remain at a low level for a long time.
In common,
the scenarios expect the continuous upgrading of skills – however with
different types of specialisation:
·
Scenario
1 assumes a new type of banker who acts with a long-term rather than short-term
perspective, regards consumer trust as the basis and thus aims at sustainable
business relations. This requires a new orientation of human resource
development in principle.
·
In
scenario 2, the trends of the past will be continued using short-term profit
targets, flexibility and market orientation as guidelines of human resource
policies. Back-office functions will largely be transferred to highly
standardised service providers.
·
In
scenario 3, human resource policies will be security and cost oriented. They
will demand for sound administrative practices rather than market orientation.
Recommendations
As the
emergence of the financial crisis is strongly routed in competence profiles,
the study recommends employment-related policies to address the need for
adequate training and increased R&D investments in the financial sector.
Among the comprehensive list of suggestions, two priorities emerge in this
context:
·
Training
policies should be reoriented towards the principles of capital markets, decent
client consultation, controlling and risk assessment.
Governments should take initiatives to implement such new types of training in
the financial sector.
·
As
the tools of risk assessment failed to indicate long-term risks, R&D
programmes should be launched to improve these instruments. Controlling
principles should be reappraised in order to develop strategic controlling.
Human
capital appears to be the key to restructuring, and public institutions can
raise the pressure on the financial sector to develop a sustainable business
model. Education and training is one approach to proceed along this route.
Is a
private research institute based in
Additional
information can be found at www.economix.org
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