Dezember 2007
Über Ihr Interesse
an unserer Arbeit freuen wir uns sehr.
Wir wünschen Ihnen
ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2008.
Im Folgenden ein kurzer Überblick über unsere Arbeiten aus
diesem Jahr und unsere Planungen für 2008.
Flexicurity in Deutschland –
ein Fremdwort
Den europäischen Begriff des Jahres 2007 kennt
man in Deutschland nur vom Hörensagen. Hier verständigt man sich leichter auf
die Verteidigung des „Normalarbeitsverhältnisses“, auf Mindestlöhne, und den
Stopp der Arbeitsmarktreformen. Die Kombination von flexiblen Arbeitsmärkten
mit sozialer Absicherung, die in Dänemark und den Niederlanden so erfolgreich
praktiziert wird, hat daher nur wenige Anhänger. Dennoch stellen Kurzarbeit,
Zeitarbeit, Transfergesellschaften, und nicht zuletzt die vielen
Öffnungsklauseln in Tarifverträgen einen ersten Instrumentenkasten für die
Umsetzung des Flexicurity-Ansatzes dar. Seine
konsequente Realisierung würde aber das Verständnis von Arbeit und Karriere in
Deutschland revolutionieren: Arbeitsplatzwechsel als selbstverständlicher
Schritt in der Berufskarriere, räumliche Mobilität als etwas Erstrebenswertes,
berufliche Weiterbildung für den externen Arbeitsmarkt und nicht für das
Unternehmen, konsequente Aktivierung von Arbeitslosen. All dies widerspricht
noch immer den in Deutschland herrschenden Auffassungen.
In
einem Review für das Europäische
Beschäftigungsobservatorium wurden die deutschen Ansätze vorgestellt, ihre
Wirkungen diskutiert und Umsetzungsschritte erörtert.
Strukturpolitik für gefährdete Arbeitsplätze – Erfahrungen
aus Europa
Während die deutsche
Strukturpolitik versucht, die Wettbewerbsfähigkeit bestehender Unternehmen und
Arbeitsplätze zu fördern, versuchen Frankreich und andere EU-Länder die
Umschichtung in neue Branchen zu unterstützen.
Jaques
Dahan et al.: Evaluation
du soutien du Fond Social Européen à l’anticipation et la gestion du changement
économique et de la restructuration. (Veröffentlichung in Französisch)
Europäische Beschäftigungsstrategie – ein erfolgreiches
Reformprogramm
Gegenüber den Versuchen der
Europäischen Kommission, die Beschäftigungspolitik in den EU-Ländern mit zu
gestalten, war Deutschland lange Zeit sehr skeptisch. Mit der Agenda 2010 hat
sich dies geändert. Die deutsche Politik ist auf den Kurs der Europäischen
Beschäftigungsstrategie eingeschwenkt und hat der Aktivierung Vorrang vor der
sozialen Umverteilung gegeben. Mit Erfolg, wie man an den steigenden
Beschäftigtenzahlen erkennen kann. Insoweit könnte man Deutschland geradezu als
Musterland der sog. Lissabon-Strategie bezeichnen. Dennoch bleibt noch vieles
offen: die Etablierung des lebenslangen Lernens, die Reduzierung der
Lohnnebenkosten, die Einführung von Flexicurity-Elementen
und eine wirksame Politik für den Niedriglohnsektor sind die wichtigsten
Punkte.
Lebenslanges Lernen – den Worten müssen Taten folgen
Die
Entwicklung der Wissensgesellschaft ist einer der zentralen Punkte des
Deutschen Nationalen Reformprogramms, das der EU-Kommission Ende 2005 vorgelegt
wurde. Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen diese Idee. Die Realität
allerdings ist eine andere: Die Beteiligung an der beruflichen Weiterbildung
ist in den letzten Jahren gesunken, die Weiterbildungsmaßnahmen der
Bundesagentur für Arbeit wurden massiv gekürzt, und die Budgets der
Bildungspolitik stagnieren. Die Entwicklung der Wissensgesellschaft befindet
sich noch in den Versuchsphasen einer Vielzahl von Einzelprojekten. Der große
Wurf hingegen fehlt. Was Deutschland braucht ist ziemlich klar:
·
Die Ergänzung der beruflichen Erstausbildung durch ein staatlich
gefördertes System beruflicher Weiterbildung
·
Modulare Weiterbildung mit einem Credit-Point-System,
das Zertifikate erteilt und eine flexible Teilnahme ermöglicht
·
Die Öffnung der Universitäten für die berufliche Weiterbildung von
Akademikern
·
Weiterbildung für den Arbeitsmarkt, nicht allein für den Bedarf des
jeweiligen Arbeitgebers
Dies
geht sicherlich nicht ohne erhebliche öffentliche Mittel. Den Worten müssen
Taten folgen.
Beschäftigung in einer älter werdenden Gesellschaft – es
tut sich was
Bereits
1998 haben wir die Personalpolitik von Unternehmen in einer alternden
Gesellschaft im Rahmen einer europäischen Studie untersucht. Mit magerem
Ergebnis!. Die Neuauflage der Betriebsuntersuchungen im Jahr 2005 zeigt eine
überraschende Wende: Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickeln ein anderes
Verständnis von Beschäftigung im Alter, Age Management Konzepte finden weitere
Verbreitung, und die es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, das ältere
Arbeitnehmer ihre Qualitäten haben. Die Jugendeuphorie der New Economy ist verflogen.
Die
breit angelegte Untersuchung mit betrieblichen Fallstudien in sieben EU-Ländern
wurde in Zusammenarbeit mit dem Warwick Institute for
Employment Research (Vereinigtes Königreich) und
einer Vielzahl von Experten durchgeführt. Sie wurde von der EU-Kommission veröffentlicht.
Nicola
Düll, Robert Lindley, et al.: Ageing and employment,
identification of good practice to increase job opportunities and maintain
older workers in employment. (Veröffentlichung in
Englisch, Deutsch, und Französisch)
Evaluierung der EU-Beschäftigsinitiative
EQUAL – Innovation in der Arbeitsmarktpolitik
Die
Bewertung des EU-Programms EQUAL wird in den neuen Mitgliedstaaten fortgesetzt.
Dabei geht es vor allem um innovative Ansätze, die im Hinblick auf Integration,
Beschäftigungsfähigkeit und Vermeidung von Diskriminierung am Arbeitsmarkt.
Die
bereits abgeschlossene Evaluierung für die Mitgliedstaaten vor der
EU-Erweiterung hat gezeigt, dass das Programm als Experimentierfeld der
Arbeitsmarktpolitik genutzt wurde und zur Entwicklung neuer Ansätze geführt
hat.
Nicola
Düll, EU-wide evaluation of the
Community Initiative EQUAL. (Zusammenfassung in Deutsch,
Englisch und Französisch)
Stellenangebot 2007/08 – vierteljährliche Erhebungen
Die Erhebung des Stellenangebots
wird mittlerweile europaweit in vierteljährlichem Rhythmus durchgeführt. An der
Haupterhebung im IV. Quartal beteiligen sich rund 14.000 Betriebe in
Deutschland. Über die Ergebnisse wird regelmäßig berichtet.
Kurzberichte
des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Skills scenarios – strategisches Humankapital
Im Auftrag der EU-Kommission
wird Economix im Jahr 2008 Szenarios für die Qualifikationsentwicklung in zwei
Branchen entwickeln. Der Auftrag ist Teil einer groß angelegten Studie zum
branchenspezifischen Qualifikationsbedarf der Zukunft. Das Neue dieser
Szenarios besteht in ihrem Ausgangspunkt: Das Humankapital wird als strategische
Größe verstanden, mit der die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im globalen
Wettbewerb gestärkt werden soll, und nicht – wie in einer Vielzahl von
vorhandenen Untersuchungen – als Resultante von Markt- und
Technologieentwicklung. Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Politik sind in
die Untersuchung eingebunden.
Integration von Jugendlichen – ein europäisches Problem
Die Integration von
Jugendlichen in den Arbeitsmarkt gelingt auch in Deutschland immer weniger. Die
begrenzte Aufnahmefähigkeit des beruflichen Ausbildungssystems hat große
Warteschlangen erzeugt, in der Jugendliche in Einarbeitungs- und
Berufsvorbereitungsmaßnahmen ihre Defizite ausgleichen sollen. Dies ist alles
andere als ein idealer Weg in die berufliche Karriere.
Repräsentanz in Paris
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